Rasjournal-Online für Abessinier und Somalis

* 2004 Artikel *

Müssen Rassekatzen eigentlich so teuer sein?

Heute mal andersrum: Sind Hauskatzen eigentlich billig?

Wahre Liebe: Der Hauskaterkastrat Kanis Goldstein und Somalidame Shuëlet vom Katzenpalast

Wer kennt sie nicht, die Erläuterungen zu diesem Thema? Zuchtkatzen- und Zuchtkaterhaltung, Ausstellungskosten, Vereinskosten, Impfungen, Stammbaum etc. pp. das alles summiert sich zu stattlichen Beträgen, die dann nur über die Abgabe der Kitten zu angemessenen Preisen überhaupt gedeckt werden können. Nun frage ich mal andersherum: Sind Hauskatzen eigentlich billig? Der erstaunten Frage, nach dem hoch erscheinenden Preis für eine Rassekatze liegt offenbar die Annahme zugrunde, "gewöhnliche" Feld- und Wiesenkatzen, Findelkinder, Tierheimkätzchen, Kitten aus dem Wurf von Nachbars Max - der dann doch eine Maxima war - usw. wären billig oder gar kostenlos... Weit gefehlt! Ich möchte Ihnen hier einen kleinen Bauernhofkater vorstellen, der ganz einzigartig ist, und doch eine ganz typische Geschichte zu erzählen hat, wie man sie immer wieder hört. Es ist die Geschichte von Kanis Goldstein.

Ich hatte in Erfahrung gebracht, auf einem Hof in der Eifel seien "Kätzen zu vergeben". Als ich eintraf sah ich bald eine ansehnliche Schar Katzen und staunte nicht schlecht, als man mich in den Keller führte, wo zwei Katzenmütter mit ihren Kitten sich eingerichtet hatten: Zwei grau-schwarz getigerte Katzen, eine mit einem Dreier-Wurf ca. 6 Wochen alter Babys und eine sehr (!) junge Mama, an der noch zwei ca. 8 Wochen alte Kitten lagen - die anderen beiden des Wurfes waren vor kurzem gestorben.

Ich zögerte nicht lange und erwählte den bicolor-blackspottet Kater aus diesen beiden und fand sogar noch ein neues zu Hause für zwei Kätzchen aus dem anderen Wurf. (Natürlich war Kanis damals noch die einzige Katze bei mir, denn als wandelndes "Seuchenkabinett" hätte ich ihn mit keiner anderen Katze in Kontakt treten lassen können!) So führte mich der erste Gang mit dem kleinen Kanis Goldstein zum Tierarzt... Kopfschüttelnd und mit bedauerndem Blick musterte er das kleine Bündel Katze und stellte fest: eine flächendeckende Population von Flöhen im Fell, Milben in den Ohren, Würmer, die den kleinen Körper schon sehr geschwächt hatten; zudem schwerer akuter Katzenschnupfen: die Augen verklebt, die Nase verstopft - ein Wunder, dass der Kater überhaupt noch lebte, aber wie lange noch...?

Zunächst ging es "nur noch" darum, die Beschwerden des Kleinen zu lindern - viel Aussicht auf dauerhaften Erfolg machte der Arzt mir nicht, im Gegenteil: der Katzenschnupfen würde sich, sollte das Tier überleben, chronisch fortsetzen lautete die Prognose. Vollgepackt mit Augentropfen, Ohrensalbe, Wurmpaste und Flohspray fuhren wir nach Hause mit der Aufgabe: täglich zwei bis drei Anwendungen der diversen Mittelchen. Von da an ging es jede Woche in die Tierarztpraxis, und selbst der Arzt war überrascht von den Fortschritten, die der Winzling machte, bis Kanis nach weiteren 6 Wochen endlich doch kräftig genug war, um erstmals überhaupt geimpft zu werden.

Ungefähr ebenso lange dauerte es auch, bis der verschreckte Kater sich "freiwillig" in meine Nähe wagte und ich nicht jedes Mal über den Boden robben musste, um ihn unter dem Schrank hervorzuziehen, damit er wenigstens die Medizin verabreicht bekommen konnte. Auch in der Folgezeit, waren die Praxisräume des Tierarztes so etwas wie das "zweite zu Hause" von Kanis; weitere Impfungen, Tests und Untersuchungen begleiteten ihn und... räumten regelmäßig meinen Geldbeutel ratzeputz leer.

Summa summarum rund 350.- Euro. Doch was soll ich sagen? Es hat sich gelohnt! Heute ist Kanis Goldstein ein stattlicher Katerkastrat mit glänzendem, seidenweichen Fell; er erfreut sich bester Gesundheit und gab mir alle Mühe um ihn doppelt und dreifach zurück: Er kümmerte sich als "Catsitter" liebevoll um die kleine Somalidame Shuëlet vom Katzenpalast, als sie mit 13 Wochen bei uns einzog. Vom ersten Tag an, vergötterte er sie. Argwöhnisch beäugt er jeden Besucher, der seine Shuëlet anfasst, bereit sie beim leisesten Hilferuf heldenhaft zu retten...

Kanis liebt seine Shuëlet so sehr, dass er lieber mit auf Ausstellungen fährt (obwohl er den Trubel gar nicht mag) als ohne seine Freundin zu Hause zu bleiben - mit dem hübschen Nebeneffekt, dass er auf 6 Ausstellungen 4 Mal "Best in Show/Beste Hauskatze" gemacht hat und als sie den "Champion"-Titel errang, wurde er "Hauskatzen-Premior"; die Reihe der Pokale auf dem Regalbrett wäre nur halb so lang ohne seine Trophäen.

Dieser Artikel soll also beileibe keine "Warnung" vor rasselosen Hauskatzen sein! Aus vermeintlicher Kostenersparnis sollte man jedoch nicht auf die Rassekatze verzichten, denn auch rasselose Hauskatzen haben ihren Preis - und auch sie sind es wert!

Ane Kleine, Trier, www.Ilamos-Somali.de